Warum echtes Mitentscheiden von Kindern so entscheidend ist

Meine Erfahrungen & Tipps aus der Fortbildung „Mitentscheiden und Mithandeln in der Kita“. Hol dir neue Impulse für deinen pädagogischen Alltag!

Lass mich kurz zurückblicken in den Mai 2020: Zu Beginn der Corona-Pandemie war das Fortbildungsangebot ‚Mitentscheiden und Mithandeln in der Kita‘ ein echter Lichtblick, und ich bin froh, dass ich diesen Kurs, damals auf Empfehlung unseres Trägers, auf der Plattform oncampus besuchen konnte. Der Kurs hat mir nicht nur große Freude bereitet, sondern mir auch neue Perspektiven eröffnet. Ich konnte unglaublich viele wertvolle Anregungen für meine pädagogische Arbeit mitnehmen, die ich nun, hier auf meiner Seite, mit dir teilen möchte.

Das Projekt wurde von der Bertelsmann Stiftung zusammen mit dem Institut für Partizipation und Bildung auf die Beine gestellt. Das Ganze nennt sich dort „MOOC“ – das bedeutet einfach, dass es ein offener Online-Kurs ist, für den du absolut nichts bezahlen musst. Du kannst dich dort, auch aktuell, unkompliziert anmelden und dir die Videos, Interviews und Praxisbeispiele ganz flexibel und in deinem eigenen Tempo anschauen.

Hier ist der direkte Link, über den du dich für den Kurs einschreiben kannst: https://lernen.oncampus.de

Um dir einen kompakten Einblick zu geben, habe ich die wesentlichen Inhalte des Kurses in den folgenden Abschnitten für dich zusammengefasst. Lass uns nun gemeinsam in dieses spannende Themenpaket eintauchen!


Was ist Partizipation wirklich?

Das Wort Partizipation klingt etwas nach trockener Theorie? Nun, es geht um etwas ganz Selbstverständliches (zumindest sollte es das sein): Kinder sollen Entscheidungen mitgestalten. Manche betreffen nur sie selbst, etwa was oder wie viel sie essen möchten. Andere betreffen die ganze Gruppe, zum Beispiel die Gestaltung des Gruppenraums oder das Ziel eines Ausflugs. Wenn wir Kinder ernst nehmen und ihnen Mitbestimmung zutrauen, erleben sie früh, was Demokratie bedeutet: Ihre Meinung zählt und ihr Engagement kann etwas bewirken.


Die Sache mit der Macht und dem Kinderschutz

Wir Erwachsenen haben in der Kita viel Macht. Wir bestimmen den Raum, den Tagesablauf, das Material und bewerten auch oft das Verhalten. Janusz Korczak, der bekannte Kinderarzt und Pädagoge bemängelt, dass Kinder häufig dem guten oder schlechten Willen der Erwachsenen ausgeliefert sein können.

Um das zu verhindern und echten Kinderschutz im Hier und Jetzt zu leben, ist Partizipation so wichtig. Der Gesetzgeber fordert das sogar klar ein. Wenn Kinder sich verlässlich beschweren dürfen und Rechte haben, schützt sie das davor, dass wir Erwachsene unsere Macht aus Versehen (oder absichtlich) missbrauchen. Es geht nicht darum, dass Kinder alles dürfen, sondern darum, verlässliche Strukturen zu schaffen, in denen Kinder sicher sind.


Partizipation im Alltag

Partizipation fängt bei den aller kleinsten Dingen an. Frei nach dem Motto „Hilf mir, es selbst zu tun!“ sollten wir den Kindern nicht voreilig alles abnehmen. Wenn wir ihnen auf Dauer alles abnehmen, was sie eigentlich schon selbst können, machen wir sie nur unselbstständig und abhängig.

Lass die Kinder mitmachen! Kinder helfen von Natur aus gerne – ob beim Tische eindecken, beim Einräumen von Dingen oder beim Aufräumen. Auch wenn es für uns im oft stressigen Alltag manchmal schneller ginge, eine Aufgabe selbst zu erledigen: Wir müssen uns die Zeit nehmen. Wenn wir ihre Hilfsangebote immer wieder ablehnen, brauchen wir uns nicht wundern, wenn sie irgendwann gar keine Lust mehr haben, uns zu unterstützen.

Und dann gibt es da noch das Entwickeln von gemeinsamen Regeln. Nehmen wir das Beispiel von Dreirädern auf dem Außengelände: Es gibt nie genug Fahrzeuge für alle. Anstatt dass nun einfach das stärkste Kind am längsten fährt, können die Kinder selbst Regeln fürs Abwechseln erfinden. Das klappt vielleicht nicht auf Anhieb, manche Regel muss man erst testen und wieder über Bord werfen, aber irgendwann finden alle eine Lösung, mit der sie leben können. Wichtig ist, dass wir diese gemeinsam erarbeiteten Regeln für die Kinder transparent machen, zum Beispiel mit Schildern, damit sie sich daran orientieren können.


Projekte und die Kita-Verfassung

Manchmal stehen auch größere Themen an. Ein wunderbares Beispiel wäre eine kaputte Wippe. Anstatt einfach eine neue im Katalog zu bestellen, plant man gemeinsam mit den Kindern, welche Wippe es werden soll, und die Kinder helfen vielleicht sogar beim Abbau der alten Wippe und beim Aufbau der Neuen. Solche Beteiligungsprojekte sind Gold wert.

Das Ganze braucht natürlich einen festen Rahmen, eine Art Kita-Verfassung. Die Kinder können zum Beispiel in ihrer Gruppe zwei Gruppensprecher wählen – das geht wunderbar mit einem kleinen Wahlkampf, Plakaten und Murmeln als Stimmzettel. Diese Sprecher gehen dann in ein Kinderparlament und vertreten dort die Wünsche und Probleme ihrer Gruppe.


Partizipation bei den Allerkleinsten in der Krippe

Auch wenn du bei der Arbeit den Fokus eher auf den 3- bis 6-Jährigen hast, ist der Blick zu den Kleinsten superspannend, um das große Ganze zu sehen. Partizipation beginnt nämlich schon mit der Geburt. Bei den Unter-Dreijährigen passiert das vor allem in Pflegesituationen, also beim Wickeln, Essen oder Schlafen. Da geht es weniger um Kinderparlamente. Krippenkinder teilen sich enorm über ihre Gestik und Mimik mit. Wenn ein zweijähriges Kind uns deutlich zeigt, dass es gerade absolut nicht schlafen will, müssen wir diese Signale lesen und stellvertretend für das Kind seine Interessen in der Kita wahren.


Das Team und die Eltern

Das Ganze steht und fällt natürlich mit uns Erwachsenen. Eine Kita ist vernetzt. Wenn wir wollen, dass Kinder mitentscheiden, betrifft das im Rahmen der Bildungs- und Erziehungspartnerschaft natürlich auch die Eltern.

Und ganz entscheidend: Wir als Team! Eine Leitung hat hier eine absolute Schlüsselrolle, muss voll hinter dem Konzept stehen, das Team unterstützen und dem Prozess Zeit geben. Und wir Erzieher müssen ebenfalls das Recht haben, mitzuentscheiden. Denn nur dort, wo wir Erwachsenen selbst Entscheidungsspielraum haben, können wir auch guten Gewissens Macht an die Kinder abgeben. Es braucht eine Beteiligungskultur in der ganzen Einrichtung.

Zusammenfassend kann man sagen: Es lohnt sich, sich Zeit zu nehmen, geduldig zuzuhören und den Kindern auf Augenhöhe zu begegnen. Es ist oft ein echtes Ringen um Lösungen, aber wenn man verlässliche, demokratische Strukturen schafft, wird man oft staunen, was für großartige Ideen die Kinder haben und was sie schon alles können!

Veröffentlicht in Kinderrechte, Kinderschutz, Partizipation, Soziale Kompetenz.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert